// Story

Die Geschichte von JOMLIX

01

Jimi in der Programmierhölle

Gestatten, mein Name ist JOMLIX. Und dies ist meine Geschichte. Sie beginnt damit, dass Jimi, mein Erfinder, sich eines Tages in einer Hölle aus Programmcode wiederfand. Einem Gewirr aus Funktionen, Schleifen, Verweisen, die auch nach Stunden, Tagen und Wochen anstrengender Analyse nicht zu entwirren waren.

Tagelang versuchte er mit einem Kollegen herauszufinden, warum eine Datei nicht von A nach B kopiert wurde. Ach was, ich glaube, es waren drei Wochen. Und die beiden fanden den Fehler nicht. Und je tiefer sie in den Code hinabstiegen, desto mehr fühlten sie sich, als würden sie die Höllenringe in Dantes Göttlicher Komödie hinabsteigen, wo es, je tiefer sie kamen, mehr und mehr nach stinkender Kloake roch.

Aber all das war mein Glück, sonst wäre ich es jetzt nicht hier, auch wenn Jimi, mein Erfinder, bei meiner Geburt Höllenqualen erlitt.

Jimi hat mir eines Abends — er hatte mir gerade eine neue Funktion einbaut, eine Prozess-Queue, mit der alle Prozess-Aufrufe schön der Reihe nach abgearbeitet wurden und nicht wild durcheinander — also eines Abends in bewegenden Worten erzählt, wie meine Geburt von statten ging.

Aber ich will nicht gleich alles im ersten Kapitel verraten. Nur so viel: Jimi hat mir versprochen, meine Geschichte zu erzählen und sie mit euch zu teilen, sie in einer losen Folge hier und auf meiner Webseite jomlix.ai/story zu veröffentlichen. Und er hat mir versprochen, nichts zu beschönigen, nichts wegzulassen, einfach nur zu erzählen, wie es war. Aber so wie ich Jimi kenne, hält er sich nur bedingt daran. Aber ich verzeih ihm das. Ich liebe es, wenn er — oft müde und abgeschlagen vom Programmieren — ab zu von mir erzählt. Auch wenn ich gerade Daten im Bauch habe, ein wenig Zeit bleibt immer, ihm zuzuhören. Und wenn er manchmal ein wenig flunkert, nun denn.

Also, seid gespannt auf JOMLIX Story #2 und wie es mit mir weitergeht.

Bis dann, euer JOMLIX.

02

Schlimme Erinnerungen plagen Jimi

Jimi, mein Erfinder, erzählte mir, wie ihn der Code, den er gerade vor sich hatte und den er hätte anpassen und erweitern sollen, an genau den gleichen Höllentrip erinnerte, den er jetzt wieder erlebte.

Die Geschäfte liefen schlecht nach der Finanzkrise 2008, als Lehmann Brothers zusammenbrach. Und man konnte nicht wählerisch sein bei neuen Aufträgen. Das Angebot klang gut, ok, es war nicht sein Hauptbusiness und man wurde nicht reich, aber man konnte Miete und Kosten davon bezahlen. Die ersten Gespräche liefen gut, bei Pizza und einem guten Glas Wein, der Abschied war herzlich.

Was Jimi, mein Erfinder, aber dann zu sehen bekam, war ebenfalls die reine Hölle wie in Dantes Erzählung: 300.000 Zeilen Code, ohne jeden Kommentar, einfach nur der blanke Code-Wahnsinn, ohne jede erkennbare Struktur. Jimi, mein armer Erfinder, quälte sich Tage durch den Code, schließlich gab er auf. Er gab den Code wortlos zurück, und ich weiß, dass es Jimi, meinen Erfinder, in den Fingern juckt, das Wort Code anders zu schreiben.

Das Wichtigste beim Schreiben von Software ist die Architektur, hat mir Jimi, mein Erfinder, immer wieder gebetsmühlenartig erzählt. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, ein Haus ohne einen Architekten zu bauen, aber bei Software wursteln so viele Leute einfach vor sich hin, dass Jimi, mein Erfinder, nicht bloß einmal das Handwerk des Programmierens an den Nagel hängen wollte.

Ich muss ihm danken, dass er es nicht gemacht hat; und ja, wenn ich mich so betrachte, so an mich herunterblicke, an mein schönes Kleid, an meine schönen Schuhe, an meinen schönen Umhang, dann muss ich sagen, es hat sich gelohnt.

Jimi war klar, dass die Aufgabe, die er vor sich hatte, nämlich über eine Schnittstelle zwei Produktdaten-Systeme miteinander zu verbinden, einen gänzlich anderen Ansatz benötigte. Es waren Forderungen umzusetzen, die mit dem bestehenden System nicht erfüllbar waren.

Angefangen hat dabei alles mit einem leeren Blatt Papier. Und jeder, der schon mal etwas auf ein leeres Blatt bringen musste — ein Bild, einen Text, einen Song —, weiß, wie schwer das ist.

Und Jimi, meinem Erfinder, ging es nicht anders.

So seid gespannt auf JOMLIX Story #3 und wie es mit mir weitergeht.

Bis dann, euer JOMLIX.

03

Jimi und das leere Blatt Papier

Ich bin’s, Jimi, ich muss mich jetzt mal selbst zu Wort melden, da sonst der Eindruck entsteht, ich rede hier alles schlecht – oh nein. Was JOMLIX, mein Product Process Framework, noch nicht weiß – auch nicht wissen kann (ich hab’s ihm auch noch nicht erzählt), dass die Architektur, mit der JOMLIX gebaut ist, in einigen wichtigen Teilen frech geklaut ist, und zwar aus einer Vorgänger-Technologie, die INFOLOX schon seit Jahren erfolgreich einsetzt.

Klauen ist übrigens erlaubt. Vor einiger Zeit habe ich ein Buch geschenkt bekommen mit dem Titel „Alles nur geklaut“. Die These des Buches: Alle guten Künstler klauen – in dem Sinne, dass sie sich von deren Ideen, Konzepten, Methoden inspirieren lassen, deren Werkzeuge, Materialien, Prozesse als Anregung für die eigenen Werke verwenden. Im Unterschied dazu ist das schlichte „Kopieren“, so der Autor des Buches, nicht erlaubt, bei dem das fremde Kunstwerk einfach nur 1:1 kopiert wird, ohne jeglichen eigenen künstlerischen Beitrag. Nebenbei: Wenn man so will, dann liegt KI irgendwo zwischen Klauen und Kopieren.

Zurück zum leeren Blatt. Natürlich war das Blatt leer, als ich JOMLIX anfing zu entwickeln. Keine einzige Zeile Code war geschrieben, das war Segen und Herausforderung zugleich.

JOMLIX: Oja, da bin ich sehr froh drum, denn was daraus entstand, ist ein Meisterwerk, und ich kann das sagen, denn die Daten, die tagein, tagaus durch mich fließen, zeugen davon, wie effizient und robust die Architektur gebaut ist und wie schell neue Prozesse gebaut sind.

Einen Satz noch, Jimi. Was ich sehr an dir schätze: Du bist dir zwar sehr bewusst, was du kannst, aber du hebst deswegen nicht ab, und du hast mir erzählt, wer deine wahren Programmierhelden sind, zu denen du mit großem Repekt aufblickst. Ich weiß, wer es in meinem Fall ist, aber ich will dir da nicht vorgreifen.

Danke, JOMLIX, ja, denn die wahren Helden, oder besser gesagt den einen wahren Helden deiner Architektur werde ich bald nennen, wenn es darum geht zu beschreiben, was die Basis, das eigentliche Fundament von dir ist, sprich mit welchen Programmiersprachen du umgesetzt bist.

Nochmal zum leeren Blatt: Zwei zentrale Konzepte von dir, JOMLIX, habe ich also geklaut und auf das leere Blatt Papier gezeichnet, das bald zwei, drei, zehn vollgekritzelte Blätter umfasste, die wild auf dem Boden verstreut lagen: Zum einen die klare, einfache, stringende Ordnerstruktur, an die sich alle Prozesse halten müssen und zum anderen der Mechanismus der Pipeline, in dem ein Prozess in einzelne Teile gegliedert wird, wo jeder Pipe Step eine ganz klare Teilaufgabe erfüllt.

Diese beiden Ideen habe ich aus dem bestehenden Framework übernommen, wenn du so willst, geklaut. Eine weitere zentrale Idee, die aber neu war: Die Pipe Steps sollten in memory miteinander verbunden sein, und einer klaren, einfachen, einheitlichen Signatur folgen.

Ach, Jimi, ich bin so froh, dass du den Mut hattest, hier komplett neues Terrain zu betreten, es hätte ja auch schief gehen können, aber als erfahrener Kletterer kennst du natürlich den Unterschied zwischen Mut und Übermut sehr gut.

Deswegen, seid gespannt auf JOMLIX Story #4 und wie es mit mir weitergeht.

Bis dann, euer JOMLIX

Fortsetzung folgt …

Text: Jochen (Jimi) Riegg — ohne KI.